Ruhig sein und durchsetzungsfähig sein sind zwei komplett unterschiedliche Zustände – im Diskurs um tägliche Meditation werden sie aber ständig wie Synonyme behandelt. Meine Meditations-Erfahrungen nach dem Burnout im Herbst 2023 haben mir das Gegenteil gezeigt: Ich wurde ruhig, aber nicht stark. Erst die Beschäftigung mit Drachenenergie, einer spirituellen Praxis neben meinem Alltag als UX-Designerin in einer Düsseldorfer Agentur, hat mir gezeigt, wo der Denkfehler liegt.
Bevor es weitergeht, kurz zur Transparenz: Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links, unter anderem zur 21-tägigen Meditations-Reise von kraftquellegeist, mit der meine tägliche Praxis Anfang 2024 angefangen hat. Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine Provision, ohne dass es teurer wird. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin, sondern eine 36-jährige UX-Designerin, die seit zwei Jahren an ihrer eigenen Belastbarkeit arbeitet – bei gesundheitlichen Fragen gehört das Gespräch mit einer Fachperson trotzdem dazu.
Der Mythos vom automatischen Gleichgewicht
Der Denkfehler steckt tief in vielen Meditationsratgebern: Wer regelmäßig sitzt, wird angeblich automatisch auch durchsetzungsfähiger, klarer in Meetings, weniger erschöpft nach einem Tag voller Feedback-Schleifen. Bei mir passierte das Gegenteil – ich wurde weicher, nicht klarer, und in Diskussionen mit Stakeholdern merkte ich, wie ich häufiger nachgab, obwohl ich innerlich ruhiger war als je zuvor.
In der UX-Branche nennen wir diesen Zustand oft Empathy Fatigue: Man fühlt so intensiv mit Nutzerinnen, Kolleginnen und Stakeholdern mit, dass die eigene Position verschwimmt. Das Feld UX Design selbst verlangt ständiges Hineinversetzen in fremde Perspektiven, und genau diese Fähigkeit lässt sich nicht einfach wegmeditieren, indem man ruhiger atmet.
Ruhe allein reicht nicht aus
Acht Wochen lang hatte ich vorher ein Yoga-Abo bei einer großen Fitness-Kette laufen, bevor ich überhaupt bei Meditation gelandet bin. Die Kurse waren angenehm, aber so generisch aufgebaut, dass ich am Ende keine einzige Übung hatte, die ich gezielt gegen meine eigene Erschöpfung im Job hätte einsetzen können – ich habe das Abo nach zwei Monaten stillschweigend auslaufen lassen.
Eine Bekannte von mir geht wöchentlich zu ihrem Töpferkurs in einem Flingerner Atelier und kommt danach jedes Mal vollkommen entspannt heraus. Bei mir hat reine Entspannung nie ausgereicht, weil mein Problem nie fehlende Ruhe war, sondern fehlende Abgrenzung – zwei Dinge, die in den meisten Ratgebern in einen Topf geworfen werden.
Der ELBEN Online Kurs mit Christine Arana Fader wäre für viele der naheliegendere nächste Schritt nach einer soliden Meditationsroutine gewesen – eine mehrwöchige Gruppe mit klarer Progression Richtung Channeling, statt loser Einzelteile aus dem Netz. Ich habe mich trotzdem dagegen entschieden, weil mich der Elben-/Naturwesen-Fokus weniger ansprach als ein Thema, das direkter mit Grenzen zu tun hat.
Drachenenergie als Grenz-Übung
Drachenenergie klingt nach Fantasy-Roman, ist aber im Kern eine Übung in Grenzziehung: Der Drachenenergie-Kurs beschreibt die Qualität eines Wesens, das über seinen Schatz wacht und niemanden ungefragt in sein Revier lässt – als Bild für kognitive Energie, die man im Job aktiv verwalten muss, statt sie einfach fließen zu lassen. Das ist kein Widerspruch zu einer bestehenden Meditationspraxis, sondern eine andere Fähigkeit obendrauf.
Am Freitagabend, als die Feierabend-Nachricht im Team-Chat aufploppte, bemerkte ich, wie sich mein Atem von allein verlangsamte, noch bevor ich bewusst etwas dafür tat – ein körperliches Signal, das ich vorher nie hatte. Ähnlich war das heiße Kribbeln, das ich einmal im Bereich des Solarplexus spürte: kein sanftes Schweben, sondern eine kraftvolle, bodenständige Hitze, die sich ganz anders anfühlte als jede reine Ruhe-Übung vorher.
Der Unterschied wird im Job am deutlichsten sichtbar
In engen Sprints wird der Unterschied am deutlichsten: Reine Ruhe half mir, im Meeting nicht laut zu werden, aber sie half mir nicht, Nein zu einem Deadline-Wunsch zu sagen, der schlicht nicht machbar war. Verglichen mit der eher sanften Wirkung der 21 Tage Meditation Challenge brauchte ich für solche Momente etwas Griffigeres – die Vorstellung, meine Energie sei mein Schatz, den ich verteidigen darf.
Mein Journal, das ich sonntagabends in der Carlstadt führe, hält fest, welche Situationen in der Woche echte Grenzziehung brauchten und welche nur echte Ruhe.
Im Hofgarten, Eingang Jacobistraße, drehe ich in Pausen manchmal eine kurze Runde, wenn ein Meeting toxisch wurde oder die Anforderungen unklar blieben – nicht um runterzukommen, sondern um innerlich wieder eine Grenze zu ziehen, bevor ich zurück an den Schreibtisch gehe. Das ist dieselbe Meditation am Arbeitsplatz, nur mit einem anderen Ziel als reiner Entspannung.
Frag dich das, bevor du weiterübst
Wer nach einem Burnout wieder einsteigt, hat damit ein eigenes Thema vor sich, das ich hier bewusst nicht vertiefe. Auch Hochsensibilität mit stärkerer Reizüberflutung verdient ein eigenes Kapitel, das an anderer Stelle gehört. Journaling als reines Protokoll innerer Reaktionen ist ebenfalls ein eigenes Werkzeug, das ich andernorts ausführlicher beschreibe. Meine tägliche 20 Minuten Meditation am Morgen bleibt von alldem unberührt – das ist ein anderer Anker mit einer anderen Funktion. Wer neu bei spirituellen Praxis-Formen wie Channeling ist, sollte trotzdem nicht ausgerechnet bei Drachenenergie anfangen.
Die eigentliche Prüf-Frage lautet nicht, ob ich genug meditiere, sondern wofür ich gerade Energie brauche: für Ruhe oder für eine Grenze. Seit zwei Jahren übe ich täglich, und wenn ich heute zwanzig Minuten auf der Matte sitze, ist das kein Rückzug, sondern eine aktive Entscheidung, welche der beiden Fähigkeiten gerade dran ist. Wenn du merkst, dass du zwar sitzt, aber trotzdem nachgibst, wo du eigentlich Nein sagen willst, ist ein thematischer Abstecher zur Drachenenergie vermutlich hilfreicher als noch eine weitere Ruhe-Übung – kein Heilsversprechen, aber ein anderes Werkzeug für eine andere Aufgabe.