Meditations-Tagebuch

Hustle Culture in der Agentur: Wie ich meine Ruhe bewahre

2026.08.08
Hustle Culture in der Agentur: Achtsamkeit im Job und Meditations-Routine im UX-Design-Alltag

Drei Sitzungen bei einem Business-Coach, den mir eine Kollegin vermittelt hatte – danach habe ich abgesagt. Er wollte aus meinem Tag ein noch strafferes Raster machen, mehr Blöcke, mehr Checklisten, während ich als Senior UX-Designerin in einer Düsseldorfer Agentur eigentlich schon aus genau diesem Raster herauswollte. Was mir seitdem hilft, mich im Agenturalltag nicht wieder in die Hustle Culture hineinziehen zu lassen, ist eine viel unspektakulärere tägliche Meditationsroutine – und die Erfahrung, dass Achtsamkeit im Job nicht bedeutet, produktiver zu funktionieren, sondern früher zu merken, wann der Körper schon Alarm schlägt, während der Kopf noch weiterplant.

Kurzer Transparenz-Hinweis, bevor es weitergeht: Ich verlinke in diesem Tagebuch gelegentlich Kurse, die mir nach meinem Burnout persönlich weitergeholfen haben. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine Provision, ohne dass für dich etwas teurer wird. Ich bin Designerin, keine Ärztin oder Therapeutin, und alles hier sind subjektive Erfahrungen aus meiner Nachversorgung – keine Behandlungsanleitung. Wenn du selbst in einer akuten Krise steckst, wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Psychotherapeutin, bevor du irgendetwas an deiner Routine änderst.

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Der Systemabsturz und der andere Weg zurück

Bevor der Coach überhaupt ins Spiel kam, war ich monatelang komplett raus gewesen: Burnout, mitten aus dem Job gerissen, während ringsum die Kolleginnen und Kollegen weiter in Viertelstunden-Blöcken abrechneten. Aus der ambulanten Nachversorgung heraus habe ich dann nicht mit einem Coaching-Programm angefangen, sondern mit der 21-taegige Meditations-Reise — Loslassen in Leichtigkeit, einem einfachen täglichen Format ohne esoterischen Überbau, das direkt nach meiner Rückkehr in den Job gut reingepasst hat, weil es weder viel Zeit noch Vorwissen brauchte. Was mir dabei wirklich etwas gebracht hat, war zu lernen, wie Abgrenzung lernen durch Meditation in der Praxis aussieht – nicht als Konzept, sondern als der Moment, in dem ich eine E-Mail einfach eine Stunde liegen lasse, ohne dass mein Puls hochgeht.

UX-Design-Arbeitsplatz in der Agentur mit Post-its und Laptop – Symbolbild für Agenturalltag und Burnout-Prävention

Achtsamkeit im Job, wenn der Akku leer ist

Der Business-Coach war der Vorschlag einer Kollegin, die ihn für ihr eigenes Zeitmanagement gebucht hatte, und ich habe ihm ehrlich eine Chance gegeben. Erste Sitzung: eine Prioritätenmatrix. Zweite Sitzung: ein Farbsystem für meinen Kalender. Dritte Sitzung: die Idee, meine Erholungsphasen genauso durchzuplanen wie meine Sprints. An einem Mittwochabend danach merkte ich beim Blick auf meinen vollen Kalender, dass sich nichts leichter anfühlte, nur enger getaktet. Das Problem war nie, dass ich schlecht organisiert war – ich strukturiere beruflich fremde Prozesse. Das Problem war, dass mein Nervensystem im roten Bereich lief, und kein Kalendersystem der Welt reguliert das von außen. Wie ich Stressbewältigung im Job seitdem angehe, hat mit Planung fast nichts mehr zu tun. Ob dahinter auch eine gewisse Reizempfindlichkeit steckt, die manche als Hochsensibilität bezeichnen würden, kann ich nicht sicher sagen – ich weiß nur, dass ein voller Slack-Channel bei mir körperlich spürbar ist, lange bevor ich die Nachrichten inhaltlich verarbeite. Was ich seit der Nachversorgung beibehalten habe, ist, dass ich Beobachtungen an mir selbst genauso protokolliere, wie ich früher Nutzerinterviews protokolliert habe – nicht als Tagebuch-Kitsch, sondern als Rohdaten, auf die ich später zurückgreifen kann.

Der Atem reagiert schneller als der Kopf

Neulich, kurz bevor ich am Ende eines langen Arbeitstags den Rechner zuklappen wollte, poppte noch eine letzte Nachricht auf. Ich bemerkte, wie sich mein Atem von selbst verlangsamte, noch bevor ich bewusst irgendetwas dagegen unternommen hatte. Genau da wurde mir klar, dass der Unterschied zwischen dem Coaching-Ansatz und der täglichen Praxis kein Wirksamkeitsunterschied ist, sondern ein Unterschied in der Reihenfolge: Coaching arbeitet über den Kopf und hofft, dass der Körper folgt, Meditation arbeitet über den Körper, und der Kopf beruhigt sich hinterher. Es gibt Forschungsstränge, die das mit der Amygdala in Verbindung bringen – die Details dazu überlasse ich lieber der Fachliteratur, ich bin Designerin, keine Neurowissenschaftlerin. Meine werktägliche Praxis dauert zwanzig Minuten, bevor ich das Haus verlasse, meistens noch mit dem Gewicht einer alten Wolldecke auf den Schultern, weil es morgens noch nicht richtig warm ist. Diese zwanzig Minuten sind der einzige feste Anker im Tag, der nicht verschiebbar ist, wenn ein Kundentermin platzt. Eine Freundin von mir, die seit Jahren Salsa in einem Studio auf der Erkrather Straße tanzt, sagt, ihr Körper vergisst die Agentur schneller als ihr Kopf – bei mir läuft es ähnlich, nur sitzend statt tanzend. Wenn ich in der Mittagspause wirklich rauskomme, gehe ich meistens Richtung Hofgarten, Eingang Jacobistraße, einfach um für zehn Minuten etwas anderes zu sehen als einen Bildschirm; das ersetzt keine der zwanzig Minuten morgens, aber es hilft, Fokus im Agenturalltag nicht komplett zu verlieren.

Barfuß auf Holzdielen mit einer Tasse Tee – kurze Pause in der täglichen Meditations-Routine

ELBEN, Drachenenergie und die Frage nach der nächsten Vertiefung

Nachdem die tägliche Praxis eine Weile lief, wollte ich wissen, ob es über das reine Sitzen hinaus noch etwas gibt, das zu meiner Art zu arbeiten passt. Der Sprung Richtung Channeling war holpriger, als ich vorher zugegeben hätte – der ELBEN Online Kurs mit Christine Arana Fader hat mich in einer Gruppe mit Leuten zusammengebracht, die schon lange still oder geführt meditieren, und war eher ein Perspektivwechsel als eine Fortsetzung des 21-Tage-Formats. Ob geführte oder stille Praxis besser zu jemandem passt, ist nochmal eine eigene Abwägung, die ich hier nicht aufmache. Für Phasen, in denen ich nicht die ganze Bandbreite brauche, sondern nur einen einzelnen Punkt vertiefen will, hat sich die Drachenenergie-Einheit als kürzerer, spezifischerer Zugang angeboten, gerade wenn ich mich im Klein-Klein von Korrekturschleifen verliere und etwas Entschlossenheit zurückholen will. Es gibt so viele verschiedene Meditationsarten und -richtungen, dass ich hier bewusst nicht versuche, sie alle einzuordnen. Was bei alldem bleibt, ist die innere Stimme, die mir sagt, ich mache sowieso zu wenig oder das Falsche – die habe ich nicht abgeschafft, ich habe nur gelernt, sie von dem zu trennen, was an einem Arbeitstag wirklich ansteht.

Wann ich zum Coaching greifen würde – und wann nicht

Wenn mich jemand aus der Agentur fragt, ob sich ein Produktivitäts-Coaching lohnt, sage ich inzwischen: kommt drauf an, was gerade kaputt ist. Für ein konkretes Organisationsproblem – ein unübersichtliches Board, eine Deadline-Kollision, ein Team, das sich gegenseitig zuspammt – ist ein guter Coach vermutlich schneller als jede Meditationspraxis, weil er direkt am System arbeitet. Für das, was bei mir damals kaputtgegangen ist, war Coaching dagegen der falsche Hebel, weil es das Problem noch enger getaktet hat, statt es aufzulösen. Wenn der Akku selbst leer ist und nicht nur der Kalender voll, würde ich heute nicht mehr zuerst zum Coaching greifen, sondern zu etwas, das im Körper ansetzt. Für mich war das der niederschwellige Einstieg über die 21-taegige Meditations-Reise, weil sie klein genug war, um sie neben einem Vollzeitjob überhaupt durchzuhalten, und weil sie kein Vorwissen verlangte. Sie ist kein Ersatz für Therapie, und sie ist auch keine Garantie, dass es bei dir genauso läuft wie bei mir – aber sie ist der Unterschied, den ich zwischen den beiden Ansätzen an jedem einzelnen Werktag spüre.

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