Meditations-Tagebuch

Übersicht der Meditationsarten: was jede Form beschreibt

2026.07.04

Sonntagabend, kurz nach acht, dritte Kerze diese Woche runtergebrannt. Ich sitze am Küchentisch in der Carlstadt-Wohnung mit einer Liste, die ich mir eigentlich schon vor einem Jahr hätte anlegen sollen: welche Meditationsart ist eigentlich was. Nach anderthalb Jahren seit der 21-tägigen Reise, plus allem, was seit letztem Frühjahr aus dem ChannelingKongress-Cluster dazugekommen ist, habe ich ständig Begriffe durcheinandergebracht – Zazen, Vipassana, Yoga Nidra klangen für mich lange nach "irgendwas mit Sitzen und Augen zu". Diese Tabelle ist mein eigenes Nachschlagewerk geworden, mit denselben Regeln, die ich mir beruflich für Nutzerinterviews angewöhnt habe: nichts reinschreiben, was ich nicht auch belegen kann. Was ich wirklich selbst 20 Minuten lang auf dem Kissen am Fenster ausprobiert habe, schreibe ich weiter unten dazu – und was ich bis heute nur vom Lesen kenne, auch.

Übersicht der Meditationsarten

Meditationsart Ursprung / Geschichte Kernmethode Primäre Zielsetzung
Achtsamkeitsmeditation Wurzeln im Buddhismus; 1979 von Jon Kabat-Zinn an der University of Massachusetts Medical Center als Stress Reduction Clinic gegründet, daraus entwickelte sich MBSR [1]. Bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment ohne Bewertung. Stressreduktion, Förderung der Selbstwahrnehmung und emotionalen Regulation.
Transzendentale Meditation Mitte der 1950er Jahre von Maharishi Mahesh Yogi in Indien eingeführt [2]. Stille Wiederholung eines spezifischen Mantras für 15–20 Minuten zweimal täglich. Erreichen tieferer Bewusstseinszustände und tiefer körperlicher Ruhe.
Zen-Meditation (Zazen) Teil des Mahayana-Buddhismus (Chan); entwickelte sich in China ab dem 6. Jahrhundert n. Chr., wurde später während der Tang- und Song-Dynastie besonders populär [3]. Sitzmeditation mit Fokus auf Körperhaltung und Atem; oft "einfaches Sitzen" (Shikantaza). Einsicht in die Natur des Daseins und Erlangung von geistiger Klarheit.
Vipassana Traditionelle indisch-buddhistische Technik; im 18. Jahrhundert in Myanmar durch Medawi (1728–1816) neu systematisiert, woraus im 20. Jahrhundert die moderne Vipassana-Bewegung hervorging, u. a. durch S. N. Goenka, einen Schüler von Sayagyi U Ba Khin [4]. Systematische Selbstbeobachtung durch Scannen körperlicher Empfindungen. "Einsicht" in die Realität, wie sie ist; geistige Reinigung und Gleichmut.
Metta-Meditation Buddhistische Tradition, verankert im Pali-Kanon; wird den Nachfolgern des Buddha empfohlen, um Wohlwollen in sechs Richtungen auszustrahlen [5]. Mentale Rezitation von Wohlwollens-Wünschen für sich selbst und andere. Kultivierung von Empathie, Liebe und Abbau von Feindseligkeit.
Yoga Nidra Basiert auf einer älteren tantrischen Entspannungstechnik; in den 1960er Jahren durch Swami Satyananda Saraswati zu einem aktualisierten, systematisierten Verfahren ausgearbeitet und veröffentlicht [6]. Geführte Tiefenentspannung im Liegen (Shavasana) zwischen Wachsein und Schlaf. Vollständige physische, mentale und emotionale Entspannung.
Body Scan Fester Bestandteil des MBSR-Programms, das 1979 von Jon Kabat-Zinn gegründet wurde [1]. Sequenzielles Durchwandern aller Körperteile mit der Aufmerksamkeit. Verbesserung der Körperwahrnehmung und Lösung von Verspannungen.
Gehmeditation In vielen Zen-Traditionen (dort als "Kinhin") als Ausgleich zum Sitzen praktiziert [7]. Synchronisation von langsamen Schritten mit dem Atemrhythmus. Achtsamkeit in der Bewegung und Integration der Praxis in den Alltag.
Chakra-Meditation Das Sanskrit-Wort erscheint zuerst in den Veden, dort aber nicht im Sinn feinstofflicher Energiezentren. Das bekannte Chakra-System entwickelte sich erst später, ab dem 8. bis 10. Jahrhundert n. Chr., in buddhistischen und hinduistischen Tantra-Texten [8]. Visualisierung und Konzentration auf spezifische Energiezentren entlang der Wirbelsäule. Harmonisierung des "feinstofflichen Körpers" und psychospirituelle Entwicklung.
Mantra-Meditation Vedische Ursprünge: laut Forschung vor 1000 v. Chr. entstanden, in der mittleren vedischen Periode (1000–500 v. Chr.) zu einer ausgereiften Praxis aus Kunst und Wissenschaft entwickelt [9]. Wiederholung von heiligen Silben, Wörtern oder Sätzen (laut oder mental). Bündelung der Aufmerksamkeit und Beruhigung des Gedankenflusses.
Zeitstrahl der zehn Meditationsformen nach Entstehungsepoche: von der vedischen Mantra-Meditation (um 1000 v. Chr.) über Zen (ab dem 6. Jahrhundert) und Chakra (8.–10. Jahrhundert) bis zu Transzendentaler Meditation, Yoga Nidra und MBSR-Achtsamkeit im 20. Jahrhundert
Wann die zehn Formen entstanden – zum Einbetten (Credit: meditations-tagebuch.pages.dev). Nach den Ursprungsangaben der Tabelle; die Wurzeln reichen teils weiter zurück als die Systematisierung.

Ein Hinweis vor dem Einstieg – besonders bei einem mehrtägigen Retreat: Gerade lange, stille Formate wie Vipassana oder tiefere energiearbeitsnahe Übungen können alte, schwierige Gefühle sehr direkt an die Oberfläche bringen. In einer Burnout-Phase oder bei Depression, Angst oder anhaltender Überforderung gehört der erste Weg zur Hausärztin oder einer approbierten Psychotherapeutin – ein Kurs ersetzt keine Therapie.

Was ich davon selbst probiert habe

Von der Liste oben habe ich bisher nur eine Handvoll wirklich am eigenen Leib gemacht. Die Achtsamkeitsmeditation und den Body Scan kenne ich aus der 21-tägigen Reise, drei Wochen lang jeden Werktag 20 Minuten auf dem Balkon oder, wenn es regnete, auf dem Boden neben dem Bücherregal. Yoga Nidra kam später dazu, an einem Mittwochabend nach einem besonders zähen Agentur-Tag – und ich bin beim ersten Versuch tatsächlich mittendrin eingeschlafen, komplett am Gong am Ende vorbei. Mantra-Meditation und ein bisschen Chakra-Arbeit sind seit letztem Frühjahr über den ChannelingKongress-Cluster dazugekommen; bei Chakra war ich die ersten paar Male ehrlich gesagt eher skeptisch auf dem Sofa und habe mehr auf die Uhr geschaut als auf irgendein Energiezentrum. Zazen, Vipassana und die klassische TM mit ihrem festen Mantra-Ritual habe ich bis heute nicht ausprobiert – die kann ich hier also nur beschreiben, nicht aus eigener Erfahrung einordnen.

Kurzer Hinweis, bevor du hier weiterliest oder gar direkt in einen mehrtägigen Vipassana-Kurs oder eine intensivere Chakra-Arbeit einsteigst: Das hier sind meine persönlichen Notizen aus der ambulanten Nachversorgung nach einem Burnout, keine medizinische oder therapeutische Empfehlung. Gerade lange, stille Retreat-Formate wie Vipassana oder tiefere energiearbeitsnahe Übungen können alte, schwierige Gefühle sehr direkt an die Oberfläche bringen – genau davor hat mich meine Psychotherapeutin gewarnt, bevor ich überhaupt an einen mehrtägigen Kurs gedacht habe. Wenn du selbst gerade in einer Burnout-Phase steckst oder mit Depression, Angst oder anhaltender Überforderung kämpfst, geh bitte zuerst zu deiner Hausärztin oder einer approbierten Psychotherapeutin. Eine App oder ein Kurs ersetzen keine Therapie – bei mir war das auch nicht anders.

Zuletzt geprüft: 2026-07-15

Sources